Ihr habt Euch bestimmt schon gewundert, warum ich in letzter Zeit so nachlaessig mit meinem Blog umgegangen bin. Des Raestels Loesung: Ich war wegen einer Blinddarmentzuendung eine Woche im Krankenhaus und habe dort fuer Euch das australische Gesundheitssystem erkundet. Dabei habe ich weder Kosten noch Muehen gescheut und sogar einen Flug von Waikerie nach Adelaide mit dem Royal Flying Doctor Service in Anspruch genommen. Aber keine Angst: das gute Stueck ist dank Antibiotica-Behandlung noch dran. Ich hoffe jetzt natuerlich, dass der Appendix das zu schaetzen weis und jetzt keinen Aerger mehr macht, sonst ist naemlich Schluss mit lustig und er kommt raus. ... Hmmm, das klingt jetzt im nachinein zwar alles recht lustig und aufregend, ihr koennt Euch aber bestimmt denken, dass das (mein erstes Mal im Krankenhaus) gar nicht so toll war. Gluecklicherweise hatte ich noch Claudia als Besucherin und Seelentroesterin. Und auch im Krankenhaus waren alle, Schwestern, Pfleger, Zimmernachbarn, Aerzte bis hin zur Blutabnahmedame sehr nett und fuersorglich. Da kann man echt nix sagen. Auch das Essen, das ich nach fast drei Tagen Dauerfasten und Tropf endlich bekam, war recht bekoemmlich. Nur die Wartezeiten auf diverse Tests und die tatsaechliche Diagnose (was bei undefinierbaren Schmerzen schon eine enorme Erleichterung ist) waren etwas lang.
Ueber meine Krankengeschichte will ich aber nicht unseren sehr schoenen Aufenthalt in Waikerie vergessen, der leider wegen mir etwas frueher endete als geplant. Nach vier Tagen Adelaide brachen wir zu unserem zweiten Wwoofingjob in Australien auf. Ein Traumjob, denn es ging auf ein Weingut ca. zwei Autostunden von Adelaide entfernt. Hier wohnten wir in unserem eigenen kleinen "Kiwi House" und wurden taeglich koestlich bekocht. Unser Job bestand im "Pruning", also den beschneiden der Weinstoecke damit sie wieder ordentlich ausschlagen und Fruechte tragen koennen. Meist haben wir von 7.30-13.00 Uhr gearbeitet und am Nachmittag die Gegend oder das Anwesen der Familie erkundet. Selten habe ich so viele alte schrottreife Autos gesehen. Bruce, unser Gastvater und passionierter Geschichtenerzaehler, liebt es diese aufzukaufen, zu reparieren und dann gewinnbringend weiter zu verkaufen. Noch mehr liebt er es aber, davon zu erzaehlen.
Ausserdem haben wir gelernt, ein/en Quad (?) zu fahren, sind mit Paul, dem aeltesten Sohn Fischen gewesen (leider haben wir nix gefangen), sind auf rasante Autofahrten bei Tag und Nacht gegangen (Drehungen bis zu 360 Grad und Spruenge bis ans Autodach waren da normal), haben Kangaroos, Fuechse und Kaninchen bei Nacht gesehen, haben einen Koala getroffen und an einer Art Troedelmarkt-Landwirtschafts-Auktion teilgenommen. Die Orangen und Grapefruit konnten wir reif vom Strauch pfluecken und direkt aus der Schale aussaugen. Lecker und ganz ohne Chemie.
Leider war dann doch keine Zeit mehr, um Kanu und Traktor zu fahren. Wir haben uns jedenfalls richtig wohl gefuehlt (Bruce und Susan haben mich sogar jeden Tag im Krankenhaus angerufen und ein Kaertchen geschickt) und hoffen die anderen Wwoofing Jobs werden zumindest annaehernd so gut.