Montag, 22. September 2008

Waikerie und die Flying Doctors






Ihr habt Euch bestimmt schon gewundert, warum ich in letzter Zeit so nachlaessig mit meinem Blog umgegangen bin. Des Raestels Loesung: Ich war wegen einer Blinddarmentzuendung eine Woche im Krankenhaus und habe dort fuer Euch das australische Gesundheitssystem erkundet. Dabei habe ich weder Kosten noch Muehen gescheut und sogar einen Flug von Waikerie nach Adelaide mit dem Royal Flying Doctor Service in Anspruch genommen. Aber keine Angst: das gute Stueck ist dank Antibiotica-Behandlung noch dran. Ich hoffe jetzt natuerlich, dass der Appendix das zu schaetzen weis und jetzt keinen Aerger mehr macht, sonst ist naemlich Schluss mit lustig und er kommt raus. ... Hmmm, das klingt jetzt im nachinein zwar alles recht lustig und aufregend, ihr koennt Euch aber bestimmt denken, dass das (mein erstes Mal im Krankenhaus) gar nicht so toll war. Gluecklicherweise hatte ich noch Claudia als Besucherin und Seelentroesterin. Und auch im Krankenhaus waren alle, Schwestern, Pfleger, Zimmernachbarn, Aerzte bis hin zur Blutabnahmedame sehr nett und fuersorglich. Da kann man echt nix sagen. Auch das Essen, das ich nach fast drei Tagen Dauerfasten und Tropf endlich bekam, war recht bekoemmlich. Nur die Wartezeiten auf diverse Tests und die tatsaechliche Diagnose (was bei undefinierbaren Schmerzen schon eine enorme Erleichterung ist) waren etwas lang.

Ueber meine Krankengeschichte will ich aber nicht unseren sehr schoenen Aufenthalt in Waikerie vergessen, der leider wegen mir etwas frueher endete als geplant. Nach vier Tagen Adelaide brachen wir zu unserem zweiten Wwoofingjob in Australien auf. Ein Traumjob, denn es ging auf ein Weingut ca. zwei Autostunden von Adelaide entfernt. Hier wohnten wir in unserem eigenen kleinen "Kiwi House" und wurden taeglich koestlich bekocht. Unser Job bestand im "Pruning", also den beschneiden der Weinstoecke damit sie wieder ordentlich ausschlagen und Fruechte tragen koennen. Meist haben wir von 7.30-13.00 Uhr gearbeitet und am Nachmittag die Gegend oder das Anwesen der Familie erkundet. Selten habe ich so viele alte schrottreife Autos gesehen. Bruce, unser Gastvater und passionierter Geschichtenerzaehler, liebt es diese aufzukaufen, zu reparieren und dann gewinnbringend weiter zu verkaufen. Noch mehr liebt er es aber, davon zu erzaehlen.

Ausserdem haben wir gelernt, ein/en Quad (?) zu fahren, sind mit Paul, dem aeltesten Sohn Fischen gewesen (leider haben wir nix gefangen), sind auf rasante Autofahrten bei Tag und Nacht gegangen (Drehungen bis zu 360 Grad und Spruenge bis ans Autodach waren da normal), haben Kangaroos, Fuechse und Kaninchen bei Nacht gesehen, haben einen Koala getroffen und an einer Art Troedelmarkt-Landwirtschafts-Auktion teilgenommen. Die Orangen und Grapefruit konnten wir reif vom Strauch pfluecken und direkt aus der Schale aussaugen. Lecker und ganz ohne Chemie.

Leider war dann doch keine Zeit mehr, um Kanu und Traktor zu fahren. Wir haben uns jedenfalls richtig wohl gefuehlt (Bruce und Susan haben mich sogar jeden Tag im Krankenhaus angerufen und ein Kaertchen geschickt) und hoffen die anderen Wwoofing Jobs werden zumindest annaehernd so gut.

Jetzt bleiben wir zur entguelitigen Wiederherstellung meiner Gesundheit noch einige Tage in Adelaide. Waere ja bloed, wenn ich nach zwei Tagen wieder ins Krankenhaus muesste und dann schon wieder eingeflogen werden muss.

Freitag, 5. September 2008

Noch mehr unendliche Weiten

So, nachdem nun gerade ein unheimlich langer, beinah druckreifer Eintrag von mir Dank der veralteten Computertechnik in unserem Hostel verloren gegangen ist, beginne ich mit der Rekonstruktion.
Wir sind aus dem Outback zurueckgekehrt und befinden uns jetzt in Adelaide, wo wir (zum zweiten Mal auf der Reise) als Reinigungskraefte arbeiten. Mittlerweile bin ich schon richtig geuebt und kenne die "feuchte Acht" aus dem FF. Das ist nichts Unanstaendiges. Ihr koennt ja mal raten.

Nach etwa zwei Wochen im Outback vermisse ich hier in der Stadt bereits den Staub, die Weite und die Stille. Es ist schon ein recht interessanter Menschenschlag, der da draussen im Nirgendwo lebt, wo das Handy keinen Empfang mehr hat, Wasser und v.a. Regen rar sind (wir kamen gluecklicherweise am Kings Canyon in den seltenen Genuss) und man bei einer Autopanne schon etwas laenger auf den Abschleppdienst warten muss. Da ist kein Platz fuer Sentimentalitaeten. Es leben viele verrueckte aber stets liebenswuerdige Leute hier, die gelernt haben, sich mit den Gegebenheiten vor Ort zu arrangieren. So leben die Leute in Coober Pedy z.B. in den ehemaligen Schaechten ihrer Opalminen, da sie irgendwann merkten, dass es sich dort bei circa 50 Grad Celsius Aussentemperatur (im Sommer) am besten aushalten laesst. Gleichzeitig sparen sie so Heizung und Klimaanlage. Ausserdem hilft viel tr
ockener Humor, das Leben etwas leichter zu nehmen. Ein alter Mann, den wir in Coober Pedy trafen, hat es recht gut auf den Punkt gebracht: "This is a holy shitty town." Was soviel heisst wie: " Scheiss die Wand an, ist das abgefahren hier." (frei nach Ilse K.)
Aber nun einiges zum Verlauf unserer Reise: Anstatt wie die meisten Touristen nur in Alice Springs zu uebernachten, haben wir diese kleine Wuestenstadt erkundet, die gar nicht so schlecht ist, wie ihr Ruf. Es gibt eine farbenfrohe Fussgaengerzone mit vielen Cafe's, bekannte australische Institutionen wie den "Royal Flying Doctor Service" und die "School of Air" sowie einen wunderschoenen "Desert Park" in dem man die Pflanzen und Tiere des Outback entdecken kann. Anschliessend brachen wir zu einer dreitaegigen Tour zum Uluru/ Ayers Rock und den umliegenden Sehenswuerdigkeiten Kings Canyon und den Olgas (Kata Tjuta) auf. Unsere Gruppe war mit 24 Mann recht gross, aber auch hier haben wir wieder viele nette Leute und ihre Geschichten kennen gelernt. Durch den oben genannten Regen waren unsere Swags (Biwacksaecke) des Naechtens leider sehr feucht und kalt, was den uneingeschraenkten Genuss des fantastischen Sternenhimmels ein wenig erschwerte. Vom Ayers Rock an sich war ich schon recht beeindruckt, leider war nicht genug Zeit
da, das ganze in Ruhe auf sich wirken zu lassen. Statt dessen reichte die Zeit nur, um einmal um den "Stein" herumzulaufen und an alle nicht als heilige Staetten gekennzeichneten Orten Photos zu. Auf den Uluru hinaufgestiegen sind gluecklicherweise nur wenige aus unserer Gruppe. Alle anderen haben die Bitten der ansaessigen Aboriginals respektiert.
Von Alice Springs aus sind wir dann mit dem Greyhound Bus nach Coober Pedy gefahren. In dieser abgeschiedenen Minenstadt haben wir in einem Underground Backpacker (Heberge unter der Erde) geschlafen, der auch gut die Kulisse fuer SAW IV oder einen Gefaengnisfilm haette bilden koennen. War schon sehr abgefahren und beeindruckend. Tagsueber sind wir in und um die Stadt getourt und haben an den Opalminen nach selbigen Steinchen gesucht. Highlight der Tour war aber der Besuch des Dugouts/ der Hoehle von Crocodile Harry, einem alte Krokodiljaeger und Lustmolch. In seinem Haus wurde Mad Max III gedreht und Tina Turner hinterliess ihren BH an der Wohnzimmerwand. Danach hat der alte Mann begonnen von allen Besuchern Souvenirs zu sammeln, die nun zu tausenden die Waende zieren. Junge Touristinnen wurden meist um ihren BH oder die Unterhose gebeten. Ein verrueckter alter Sack. Coober Pedy ist uebrigens ein recht bekanntes kleines Staedtchen. Hier wurden bislang circa 10 Filme gedreht, u.a. "Priscilla- Koenigin der Wueste" und "Pitch Black".
Fuhren dann wieder mit dem Bus ueber Nacht nach Adelaide und hier schliesst sich der Kreis. Heute ist unser dritter Tag hier und ich bin immer noch nicht so richtig im Grossstadtleben angekommen. Gestern waren wir im Migration Museum, was uns recht beeindruckt hat. Haben z.B. erfahren, dass bis nach dem 2. Weltkrieg eigentlich nur weisse Britten als Immigranten erwuenscht waren und eine Politik des "weissen Australiens" gefahren wurde. Ausserdem galten Aboriginal people noch bis in die 70er Jahre hinein nicht als australische Buerger. Bis dahin wurde eine ganze Generation von Aboriginal Kindern und Mischlingen ( heute auch die "stolen generation" genannt) einfach zu Erziehungszwecken ihren Elten weggenommen. Nicht gerade ruehmlich.
So, ich sage mal tschuess. Die Bilder werden nachgereicht, wenn die Datenautobahn wieder hoehere Geschwindigkeiten zulaesst.